Giovanni Castelmur erblickt
das Licht der Welt im Jahre 1800 in Stampa und wächst in Marseille auf, wo seine Familie
Inhaberin einer Konditorei ist. Mit seinem Bruder Bartolomeo fährt
er mit der Familientradition fort und wird ein wichtiger Kaufmann
darauf bedacht, den Ruhm seines Geschlechtes wieder herzustellen,
einem der ältesten Geschlechter des Tales und des Bündnerlandes,
das im Spätmittelalter durch die Salisdynastie in den Schatten
gestellt worden war. Er erwirbt den ganzen Hügel von Nosa Dona,
wo er den mittelalterlichen Kirchturm und die seit der Einführung
der Reformation zerfallene Talkirche Santa Maria instand stellen
lässt, um daraus eine Art Familienmausoleum zu errichten, obschon
er kinderlos bleibt. In der Tat ist er und seine Frau Anna Castelmur,
eine Cousine ersten Grades, in der Krypta begraben. Die Büsten
der beiden sind beim Eingang der Kirche zu sehen.
Kaum 30-jährig besitzt Giovanni Castelmur schon ein Vermögen
und nebst seinen Geschäften profiliert er sich als Philantrop
und Kulturmensch. Darüber hinaus ist er fest entschlossen, einen
Adelstitel zu erwerben. Irgendwann ist er Baron; diesen Titel gibt
er auch an seine Frau weiter. Wie er dies erreicht, bleibt fraglich;
die überzeugendste Hypothese ist, dass er ihn käuflich
erworben hat, denn während seines ganzen Lebens hat er immer
wieder versucht, diesen Adelstitel zu legitimieren. Sogar die indirekten
Nachkommen nennen sich noch „Baroni“ bis zu ihrem Aussterben
gegen Ende des 20. Jahrhunderts.
Der Baron und die Baronin geniessen noch heute im Tal grosses Ansehen
für ihre wohltätige Unterstützung von öffentlichen
Bauten und Institutionen.